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„Für meine Kinder würde ich mein Leben riskieren.“
Dennis-Quaid im Interview



Ein "Alter Hase" im Filmbusiness und ein rundum sympathischer Mime: Dennis Quaid beim Interview-Termin in Berlin

Auch mit fast 54 Jahren gehört der gebürtige Texaner Dennis Quaid nach wie vor zu den Topstars in Hollywood. Seine beeindruckende Karriere begann der jüngere Bruder des ebenfalls als Schauspieler arbeitenden Randy Quaid ('Days of Thunder – Tage des Donners') schon Mitte der 70er Jahre. Der internationale Durchbruch kam schließlich ein Jahrzehnt später nach Rollen in 'Der weiße Hai – 3D', 'Dreamscape' und Wolfgang Petersens 'Enemy Mine – Geliebter Feind'. Zu den weiteren großen Erfolgen in Dennis Quaids mittlerweile 30 Jahre umspannenden Karriere zählen Filme wie 'Wyatt Earp', 'Traffic', 'Dem Himmel so fern' oder 'The Day After Tomorrow'. In Pete Travis’ Attentatsthriller '8 Blickwinkel' spielt Quaid nun den Leibwächter des US-Präsidenten. Wir sprachen mit dem Mimen in Berlin über Schauspielerei, Agenten und die Zukunft des Kinos.

Sie sind bekanntermaßen ein Method Actor – wie haben Sie sich für diese Rolle als Secret Service Agent in Form gebracht und die Stunts bewältigt?

Nun, in erster Linie musste ich nur die Straßen von L. A. rauf und runter fahren, aber ich wollte unbedingt so viel wie möglich von den Autofahrten selbst übernehmen, außer den Karambolagen natürlich. Denn ich liebe Autoverfolgungsjagden! Ich habe in dem Film nur siebzehn Zeilen Text, also musste ich ja irgendetwas tun! Und diese Zeilen wiederholen sich auch die ganze Zeit. Viel mehr als „Stopp!“ oder „Oh, mein Gott!“ hatte ich nicht zu sagen (lacht).

War das nicht langweilig, ständig alles zu wiederholen?

Das macht man doch sowieso beim Film! Man wiederholt ja auch so ständig eine Szene nach der anderen. Der einzige Unterschied bei '8 Blickwinkel' bestand darin, dass es wie bei einem Andy-Warhol-Film war. Man hat seine fünfzehn Minuten Ruhm, in denen man der Star des eigenen Blickwinkel-Segments ist, dann wird man zur Nebenfigur und all die anderen sind die Stars. Aber das war letzten Endes auch der Grund, warum ich den Film machen wollte.


Böse gucken kann er allerdings auch: Dennis Quaid als Agent Thomas Barnes in '8 Blickwinkel'

Könnten Sie sich vorstellen, für jemand anderen Ihr Leben zu riskieren, wie Sie das im Film getan haben?

Nur für meine Kinder. Für jemand anderen würde ich mir bestimmt keine Kugel einfangen wollen, erst recht nicht für den Präsidenten!

Es ist schon ein ziemlich rauer Berufszweig, den Ihre Figur im Film ausübt…

Ja, auf dem Filmset hatten wir es mit einigen der erstaunlichsten Menschen zu tun, ehemaligen Secret-Service-Jungs, die uns für den Film mit Tipps versorgten. Die Geschichten, die sie erzählen konnten, waren hochinteressant. Sie werden in der Tat darauf trainiert, ihre menschlichen Instinkte auszuschalten. Wenn man einen Schuss hört, duckt man sich normalerweise. Aber diese Jungs machen sich dann größer und stellen sich in die Schusslinie. So etwas muss man sich ganz hart antrainieren, bis man überhaupt nicht mehr darüber nachdenkt. Der Attentatsversuch auf Reagan, der ja auf Film festgehalten ist, zeigt ziemlich anschaulich, was sie tun. Im gleichen Bildausschnitt kann man fünf oder sechs Washingtoner Polizisten erkennen, die sich alle auf den Boden schmeißen, während diese Jungs einfach wie angewurzelt stehen bleiben. Und sie wissen genau, was sie tun. Obwohl ihr Job lange nicht so adrenalinlastig ist, wie wir uns den immer vorstellen. Die meiste Zeit über stehen sie nur in Gängen und beobachten.


Und so sieht böse und betroffen gleichzeitig aus: Quaid als Secret-Service-Mann vor einem toten Kollegen...

Was war das Mutigste, was Sie selbst in ihrem Leben vollbracht haben?

Puh…keine Ahnung. Vielleicht, dass ich das Rauchen aufgegeben habe. Das ist mir Ende letzten Jahres endlich gelungen. Das hing damit zusammen, dass meine Zwillinge zu der Zeit im Krankenhaus waren (seine im November 2007 zur Welt gekommenen Zwillinge von seiner Frau Kimberly wurden einige Wochen auf der Intensivstation behandelt; die Red.). Weil sie es überstanden haben, habe ich auch mir einen Ruck gegeben. Wenn sie es nicht überlebt hätten, hätte ich in meinem restlichen Leben keinen einzigen glücklichen Tag mehr gehabt. Ich habe mir gesagt, wenn sie es schaffen, dann sollte ich mit dem Rauchen aufhören, damit ich vielleicht so lange wie irgendwie möglich für sie da sein kann. Das war letzten Endes die Motivation für mich.

Was genau bedeutet Ihnen die Schauspielerei?

Als Kind ging ich ins Kino und fühlte mich danach wie eine der Figuren aus dem Film. Besonders, wenn diese von meinen Idolen Steve McQueen, Jimmy Stewart, John Wayne oder William Holden dargestellt wurde. Filme beeinflussten schon immer die Art, wie ich fühle. Mein Vater war selbst ein verhinderter Schauspieler, ich bin ein Cousin dritten Grades von Gene Autry. Meine ganze Familie hat das Vaudeville irgendwie im Blut. Ich hatte einfach das Bedürfnis, das auch zu machen. Als ich später dann professionellen Schauspielunterricht erhielt, wuchs meine Faszination für menschliche Verhaltensweisen. Ich wollte wissen, wie Menschen ticken.

Wie sehen Sie die Zukunft des Films? Wird es in 20 Jahren noch Kinos geben?

Ja, das ist eine gute Frage. Ich denke schon, dass es noch Kinos geben wird, weil jeder das Bedürfnis hat, auszugehen, besonders, wenn man eine „Verabredung“ hat. Dann muss man ja irgendwie aus dem Haus. Und es ist etwas Besonderes, einen Film mit anderen zusammen zu erleben. Ein Film ist eine Gruppenerfahrung. Lustige Filme werden dadurch noch lustiger, deswegen hoffe ich sehr, dass uns das erhalten bleibt, obwohl es schon erschreckend ist, welch vielfältige Möglichkeiten die Leute heutzutage haben, um an einen Film heranzukommen. DVDs kommen ja schon zwei Wochen nach dem Kinostart raus, manchmal sogar noch vor dem Kinostart (lacht).

Es ist ja auch so, dass nach der ersten Woche im Kino ein Film für die Produzenten das Interesse bereits verloren hat – das Startwochenende ist das Non-Plus-Ultra…

Als ich in den 70er Jahren anfing, wussten die Leute noch nicht einmal, wie viel ein Film eingespielt hatte. Es war nicht wie heute, wo jeden Dienstag in den Nachrichten steht, was Filme eingespielt haben. Irgendwann Mitte der 80er Jahre hat das angefangen. Damals hätten sie die Filme aus den Unterhaltungsseiten komplett auf die Wirtschaftsseiten der Zeitungen verlagern sollen. Denn das sind sie damals geworden – Wirtschaftsfaktoren. Die Qualität eines Filmes berechnet sich seit damals ausschließlich über seine Einspielergebnisse. Frank Brenner

 

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